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Newsletter 3-2011

 Interview: Ursula Tielscher über vertane Chancen und mögliche Perspektiven 

  Ursula Tielscher

Ursula Tielscher wurde am 04.02.1957 geboren. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Die Diplom-Medizinpädagogin und gelernte Krankenschwester ist seit August 1981 an der Schule für Gesundheitsberufe e.V. Eisenhüttenstadt tätig. Seit Januar 2001 vertritt sie die Interessen der Einrichtung als Schulleiterin und Geschäftsführerin.

 

Deutschlandweit gibt es rund 95 Lehranstalten für die PTA-Ausbildung. Warum ist es wichtig, diese Möglichkeit in Brandenburg aufrecht zu erhalten?

Wer in Brandenburg lernt, bleibt in der Regel auch hier. Und genau hier werden junge qualifizierte Leute gebraucht. Die Nachfrage nach Pharmazeutisch-technischen Assistenten ist nach wie vor sehr hoch. Bisher konnten wir unsere Schüler zu 100 Prozent vermitteln. Ich wüsste keine andere Ausbildung mit einer über Jahre derart hohen Vermittlungsquote. Für Apotheken würden die Auswirkungen eines Ausbildungsstopps in etwa zwei bis drei Jahren spürbar, nachdem die letzten zwei Jahrgänge in den Berufsmarkt entlassen wurden. Danach wird der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften große Lücken hinterlassen.

 Abgesehen vom eventuellen „Heimvorteil", welche Besonderheiten hat die Ausbildung an der Schule für Gesundheitsberufe e.V., Eisenhüttenstadt?

Die Entwicklung von beruflicher Handlungskompetenz besitzt bei uns in der Ausbildung höchste Priorität. Dafür nutzen wir sehr gut ausgestattete Lehrlabore, in denen Gruppen von maximal 12 Schülern zusammenarbeiten. Dadurch wird eine sehr individuelle Betreuung ermöglicht. Insgesamt beträgt die Klassenstärke bei uns pro Jahrgang nur 24 Schüler. Was uns außerdem auszeichnet ist, dass wir interdisziplinäres Arbeiten fördern. Das heißt, dass Auszubildende der verschiedenen von uns angebotenen Berufsgruppen (Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie, Medizinisch-Technische Laborassistenz und Pharmazeutisch-technische Assistenz) gemeinsam an einzelnen Projekten arbeiten. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass die Ausbildung bislang schulgeldfrei ist.

 Das ist sicher ein wichtiger Punkt bei der Schulwahl. Aber wäre nicht die Schulgeldpflicht eine mögliche Alternative, um den Ausbildungsgang zu retten?

Um die Ausbildung vollständig über Schulgelder zu finanzieren, müssten wir pro Teilnehmer monatlich über 600 Euro verlangen. Bei der Suche nach Lösungen haben wir auch schon über einen Betrag von maximal 100-110 Euro pro Monat nachgedacht. Aber auch das können sich lange nicht alle Elternhäuser leisten. Gerade in Hinblick auf die Erwerbsstruktur in Brandenburg ist es uns wichtig, Jugendlichen, die in die PTA-Ausbildung gehen möchten, Chancengleichheit zu bieten. Wir möchten den Bewerbern die Ausbildung ermöglichen, die durch ihren Leistungsstand und ihre Motivation überzeugen und nicht verpflichtet sein ungeeignete Kandidaten zu nehmen, nur weil diese es sich leisten können. Außerdem könnte die Tatsache, dass unsere Ausbildung nicht schulgeldpflichtig ist, zukünftig auch Jugendliche aus anderen Bundesländern nach Brandenburg locken.

Was wären denn Alternativen bzw. wie finanzieren sich andere Ausbildungsstätten?

Die Finanzierung in den einzelnen Bundesländern ist sehr unterschiedlich. Viele Schulen sind den jeweiligen Kultusministerien untergeordnet und werden vom Land getragen. Das ist bei uns nicht der Fall, denn unsere Lehrstätte ist historisch anders gewachsen. Die PTA-Ausbildung wurde in Brandenburg erst nach der Wende eingeführt, davor wurden die Schüler in Berlin ausgebildet.

Wäre die Gründung eines Fördervereins oder die gezielte Unterstützung einzelner Apotheken eine Option?

Durch die Unterstützung eines Fördervereins oder durch Spenden ließen sich die Gesamtkosten von 379.100,00 Euro sehr wahrscheinlich nicht tragen. Diese Art der Finanzierung bietet keine sichere Kalkulationsgrundlage. Spenden erfolgen freiwillig und guten Willen können wir nicht dauerhaft voraussetzen.

Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?

Langfristig wäre eine Novellierung der PTA-Ausbildung dringend erforderlich. Dafür setzt sich auch der Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen AssistentInnen (BVpta) ein. Die berufliche Realität sieht heute ganz anders aus, als zu der Zeit, in der das Gesetz entwickelt worden ist. Die Lehrzeit könnte zugunsten des Praxiseinsatzes auf drei Jahre verlängert werden. Dadurch könnten die Schüler mehr Zeit in einer Apotheke arbeiten und die dortigen Abläufe früher und nachhaltiger kennenlernen. Im Gegenzug hätten die Apotheker größeren Nutzen von den Schülern und wären stärker an deren Ausbildung beteiligt. Im Idealfall könnten sie sich auch finanziell beteiligen - so wie es bei betrieblichen Ausbildungen gang und gäbe ist.

Bis eine Gesetzesänderung durchgebracht und umgesetzt ist, können ja einige Jahre ins Land ziehen. Was wäre für den Moment Ihr dringlichstes Anliegen?

Im Moment ist uns wichtig, dass endlich Stellung bezogen wird. Wir möchten eine klare Position des Landes: „Wollen wir diese Ausbildung in Brandenburg oder wollen wir sie nicht." Das Bewerbungsverfahren für den neuen Jahrgang hat bereits begonnen und wir wissen nicht, was wir den Interessenten zu den Rahmenbedingungen der Ausbildung sagen sollen, oder ob überhaupt ein neuer Jahrgang aufgenommen werden kann.

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