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Newsletter 3-2011

Lebensgefährliche Schnäppchenjagd

Apotheker warnen vor Medikamentenkauf im Ausland

Man muss nicht auf Großwildjagd gehen, damit der Urlaub zum Abenteuer wird. Wer in fernen Ländern Arzneimittel-Schnäppchen jagt, riskiert gravierende gesundheitliche Folgen. Eine aktuelle Studie des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker e.V. (ZL) zeigt, dass die Wirkung im Ausland erworbener Medikamente in den seltensten Fällen ein Volltreffer ist.

Untersucht wurden zehn in Thailand gekaufte Präparate, in denen die Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil, Diazepam und Sibutramin enthalten sein sollten. Wie die Forscher herausfanden, wiesen tatsächlich alle Proben einen Wirkstoff auf, doch war es nicht immer derjenige, der angegeben war. Beispielsweise beinhaltete eine getestete Cialis-80-mg-Packung Tabletten, die dem Original in Farbe, Form und Größe sehr ähnelten. Dessen Wirkstoff Tadalafil konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Stattdessen fanden die Wissenschaftler den (zumindest artverwandten) Inhaltsstoff Sildenafilcitrat in der vorgesehenen Menge von 80 mg pro Tablette.

In ihrer Aufmachung wirkten die getesteten Präparate unterschiedlich seriös. Sie wurden in der Originalverpackung verkauft, als lose Tabletten oder auch als einzelne Blister (-abschnitte) angeboten. Schlüsse über die Qualität der Arzneimittel können davon aber nur bedingt abgeleitet werden. Denn - sei die Verpackung auch noch so schlecht kopiert - ohne direkten Vergleich ist es nahezu unmöglich, Original und Fälschung zu unterscheiden. Ohnehin weiß kaum ein Patient, in welchen Verpackungen oder Dosierungen sein Medikament in anderen Ländern auf den Markt gekommen ist.

Geldscheine und Kapseln

 Quelle: A.Morlok/Pixelio.de

Die Gefahr auf Plagiate hereinzufallen, ist im außereuropäischen Ausland, in südostasiatischen und afrikanischen Urlaubsländern, besonders hoch. Wie in der ZL-Studie angedeutet, ist auch hier der gewünschte Wirkstoff oft nicht ausreichend oder gar nicht enthalten. Ebenso häufig werden Farb- und Hilfsstoffe eingesetzt, die schwere Allergien auslösen können. Die Verwendung gesundheitsgefährdender Ersatzstoffe ist ebenfalls keine Seltenheit.

Grund für die großen Qualitätsunterschiede bei den Medikamenten sind die Sicherheitsstandards für Arzneimittel, die in den meisten außereuropäischen Ländern nicht mit den deutschen Vorgaben vergleichbar sind. Doch auch innerhalb der Europäischen Union (EU) ist Vorsicht geboten, da auch bei gleichem Handelsnamen die Wirkstoffdosierung oder die Inhaltsstoffe bei Kombinationspräparaten unterschiedlich sein können.

Medikamente aus dem Ausland stellen aber nicht nur ein Gesundheitsrisiko dar, sondern bergen außerdem die Gefahr, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Die Einfuhr nach Deutschland ist nur in bestimmten Mengen erlaubt, für einige Arzneimittel gänzlich verboten. Das Arzneimittelgesetz (AMG) schreibt vor, dass die eingeführte Menge dem üblichen Eigenbedarf einer Person entsprechen muss und nicht für gewerbliche Zwecke bestimmt sein darf. Außerdem wird für in Deutschland verschreibungspflichtige Medikamente das entsprechende Rezept benötigt.

Apotheker warnen ausdrücklich davor, an der falschen Stelle zu sparen und raten, Medikamente immer in deutschen Apotheken zu kaufen. Auch sollte die notwendige Reiseapotheke vor Urlaubsantritt zusammengestellt werden. Denn vermeintlich billige Medikamente können Patienten teuer zu stehen kommen, weil sie diese letztlich mit der Gesundheit bezahlen müssen.

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