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Newsletter 4-2011

Rausch auf Rezept?

Apotheker gegen Heroin-Abgabe

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Kokain frei verkäuflich. Selbst die erste Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola soll einen Extrakt aus Cocablättern und rund 250 Milligramm Kokain pro Liter enthalten haben. Aus heutiger Sicht eine nahezu undenkbare Vorstellung. Oder doch nicht? Sowohl die Bundestagsfraktion DIE LINKE. als auch die Piratenpartei hat sich auf dem jeweiligen Parteitag klar für die Legalisierung von harten Drogen ausgesprochen. Eine geeignete Möglichkeit für die kontrollierte Ausgabe an Abhängige sehen beide Fraktionen in Apotheken.

Wie das Internet-Portal APOTHEKE ADHOC berichtet, stehen Pharmazeuten dieser Idee jedoch bislang negativ gegenüber. Demnach seien zwei Drittel (60 Prozent) der Leserinnen und Leser der Ansicht, dass Heroin, Kokain oder andere harte Drogen nicht in die Apotheke gehören. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) gaben hingegen an, dass eine kontrollierte Abgabe in der Offizin ein sinnvoller Weg sei. An der Umfrage nahmen am 24. und 25. Oktober insgesamt 428 Nutzer teil.

Auch Michael Klauß, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Brandenburg (AVB) sieht die Ausgabe von Rauschgiften in der Apotheke kritisch: „Sollte die Legalisierung harter Drogen tatsächlich entschieden werden, gehören Pharmazeuten sicherlich zu den wenigen Anlaufstellen, die aufgrund ihrer gewachsenen Position, der Erfahrung und des Fachwissens eine verantwortungsvolle Abgabe gewährleisten könnten. Ob es aber grundsätzlich der richtige Weg ist, diese Aufgabe den Apotheken aufzuerlegen, ist für mich fraglich." Es müsse klar geprüft werden, ob diese Herangehensweise nicht eine unzumutbare Belastung für den Apotheker darstelle, erklärt Klauß weiter.

 Apotheken
 Quelle: siepmannH/ pixelio.de

Auf ihrem Parteitag im Oktober hatten die Delegierten der LINKEN für die Freigabe aller Drogen unter der Voraussetzung, die Abgabe geschehe in kontrollierter Weise, gestimmt. In der Erklärung zur angestrebten Legalisierung heißt es, der Beschluss bedeute „die Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer legalen, kontrollierten Abgabe von Drogen an diese". Der frühere Kriminalpolizist und heutige drogenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Frank Tempel, setzt sich für die Freigabe ein. Er verweist darauf, dass die gesundheitlichen Schäden durch beispielsweise Streckmittel vielfach höher seien als durch den Konsum der eigentlichen Droge. An diesem Missverhältnis könne die Legalisierung ansetzen. „Das würde ja nicht heißen, dass es Kokain bei Aldi und Heroin bei Lidl gibt", stellte Tempel gegenüber der dpa klar.

Auf ihrem Parteitag Anfang Dezember hat nun auch die Piratenpartei die Freigabe des Konsums von bislang illegalen Drogen gefordert. Harte Drogen sollten unter staatlicher Aufsicht, zum Beispiel in der Apotheke, abgegeben werden. Mit dem entsprechenden Beschluss plädiert die Partei für ein verantwortungsvolles Konsumverhalten des mündigen Bürgers. Der Konsum solle straffrei sein, solange Dritte nicht beeinträchtigt würden. Weiterhin sprechen sich die „Piraten" für eine medizinische Erforschung derzeit illegaler Suchtstoffe zu therapeutischen Zwecken aus.

Übrigens: Auch Coca-Cola wurde zunächst in der Apotheke, in „Jacob's Pharmacy" in Atlanta, glasweise ausgeschenkt. John Stith Pemberton, selbst Apotheker, entdeckte die Rezeptur am 8. Mai 1886 auf der Suche nach einer Formel für einen Sirup, der Kopfschmerzen und Müdigkeit vertreibt.

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