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Newsletter 4-2011

„Zeit der leisen Töne vorbei"

Brandenburgs Apotheker sprechen auf Mitgliederversammlung Klartext

In der 29. Mitgliederversammlung des Apothekerverbandes Brandenburg, am 12. November 2011 in Potsdam, wurde der Unmut der 72 anwesenden Mitglieder deutlich. Der Verband hatte in das Dorint-Hotel geladen, um aktuelle Fragestellungen der Berufspolitik zu diskutieren, über Herausforderungen der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung zur beraten und Fragen des Verbands-Haushalts zu erörtern.

 Auditorium
 Quelle: Carola Langer/ pixelio.de

Bereits der Bericht zur Lage und zu aktuellen Fragen der Berufspolitik, der zu Beginn von der Vorstandsvorsitzenden Dr. Andrea Lorenz vorgestellt wurde, entfesselte eine an- und bisweilen aufgeregte Diskussion. Lorenz machte darin ihre Enttäuschung über die schwarz-gelbe Gesundheitspolitik der vergangenen zwei Jahre deutlich. Insbesondere weite Teile des Entwurfs für die neue Apothekenbetriebsordnung seien inakzeptabel. Aber auch das in 2010 verabschiedete Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) stelle durch den erhöhten Apothekenabschlag und Rabattkürzungen des Großhandels, der so eigene Sparbeträge auf die Apotheken abwälzt, eine existenzielle Bedrohung dar. Sie sprach sich deutlich für eine Korrektur des Gesetzes sowie eine leistungsgerechte und kostendeckende Vergütung, insbesondere für administrative und beratende Aufgaben sowie Nacht- und Notdienste, aus. Lorenz kritisierte, dass es nicht sein könne, dass die Höhe des Apothekenhonorars von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt sei. Die Vergütung müsse vielmehr jährlich, beispielsweise an die Entwicklung der Sachkosten und der Grundlohnsumme, angepasst werden. Ebenso forderte die Vorstandsvorsitzende eine bessere Gestaltung des Zwangsrabatts an die Krankenkassen, um als Apotheke Rechts- und Planungssicherheit zu haben. Dr. Lorenz erklärte, dass angesichts der massiven Leistungskürzungen und Regulierungswut der Bundesregierung so mancher Apotheker inzwischen „völlig desillusioniert und frustriert" sei. „Der Alltag in der Offizin hat meist nicht mehr viel mit originärer Pharmazie zu tun. Rabattvertrage, Importquoten, Aut-idem-Kreuze, Retax-Berge, Dokumentationswut - das vermiest uns Apothekern die Freude am Beruf." Von einer gerechten Würdigung der Arbeit könne hier keine Rede sein. „Es ist höchste Zeit, dass der Berufsstand vehement eine Korrektur des AMNOG fordert", gab die Vorstandsvorsitzende nachdrücklich zu verstehen.

Die Forderung, stärkeren Druck auf die Politik auszuüben, stieß auch im Auditorium auf große Zustimmung. So äußerten mehrere Delegierte den Wunsch, mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Apotheken aufmerksam zu machen. Zum Beispiel wurde vorgeschlagen, die Apotheke für einen Tag zu schließen. Hier gingen die Meinungen jedoch auseinander. Vorstandsvorsitzende Lorenz wies darauf hin, dass man den Patienten für die bestehenden Probleme sensibilisieren müsse, nicht aber instrumentalisieren dürfe. „Wir wollen ja nicht unsere Patienten treffen. Die verstehen wir vielmehr als unsere Verbündete". Sie warnt vor Populismus. Verständnis für den Frust der Kollegen hätte sie trotzdem, erklärte Lorenz und räumte ein, dass der Berufsstand in der Vergangenheit möglicherweise versäumt hätte, stärker aufzutreten und eigene Rechte einzufordern. Doch sei die Zeit der leisen Töne nun vorbei.

Weiterhin wurde von Mitgliedern gefordert, gegen die zunehmenden Retaxationen wegen Formfehlern durch gemeinschaftliche Aktionen „ein Zeichen" zu setzen. Die anwesenden Mitglieder beklagten das Vorgehen einiger weniger Krankenkassen unter anderem als „Abzocke" und „methodisches Geldsparen". Schließlich hätten die Apotheker mit der Arzneimittelausgabe ihre Leistung erbracht und somit Anspruch auf die Gegenleistung. Ärzte, die durch Ungenauigkeit bei der Verordnung einen Großteil der Formfehler verursachen, sollten außerdem in die Verantwortung genommen werden. Die Vorstandsvorsitzende Dr. Andrea Lorenz äußerte den Wunsch der Zulassung einer „Heilung", der Möglichkeit entstandene Fehler zu korrigieren und Null-Retaxationen auszuschließen.

In ihrem Ausblick für das kommende Jahr stellte die Geschäftsführerin der Treuhand Hannover Steuerberatungsgesellschaft, Ursula Hasan-Boehme, keine Besserung für die Branchenlage der Apotheken in Aussicht. Nach aktuellen Zahlen der Treuhand müsse man sich eher auf schwierige Zeiten einstellen. Hasan-Boehme bezeichnete gleichwohl die Position der Apotheken in den anstehenden Rabattverhandlungen als entscheidend für die Entwicklung in 2012. Hier käme es darauf an, sich gut auf die Verhandlungen vorzubereiten, Angebote verschiedener Lieferanten einzuholen, Gebühren und Rabatt-Ausschlüsse infrage zu stellen, diese regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls nachzuverhandeln.

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