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23.07.2012

Apothekerverbände einigen sich mit den Betriebskrankenkassen Novitas, vor Ort und Hoesch: Beanstandete BtM-Rezepte werden erstattet.

Die seit September 2011 bestehenden Differenzen um die Retaxierungspraxis bei Betäubungsmittel-Rezepten zwischen Apothekern und der drei Krankenkassen Novitas BKK, BKK vor Ort und BKK Hoechst sind nun auch bundesweit beigelegt. Damit bekommen auch die Apothekerinnen und Apotheker in Brandenburg, die Einspruch gegen die Vollabsetzung eingelegt haben, ihre verauslagten Kosten für die Betäubungsmittel und ihr Honorar von den Kassen bis zum Jahresende erstattet.

„Zwar waren das lange und intensive Verhandlungen, aber jetzt sind die BtM-Taxbeanstandungen bundesweit vom Tisch", freut sich Andrea Lorenz, Vorsitzende des Apothekerverbandes Brandenburg e.V.. „Für mich zeigt diese Einigung, dass die Selbstverwaltung der Vertragspartner im Gesundheitswesen handlungsfähig ist und bestehende Differenzen in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zu klären möglich sind. Damit haben wir ein Etappenziel erreicht." Das nächste Ziel ist eine vertragliche Regelung zwischen den Krankenkassenverbänden und dem Deutschen Apothekerverband (DAV), wodurch generell Absetzungen auf Null ausgeschlossen werden. „Und das hoffen wir möglichst zügig vereinbaren zu können", so Andrea Lorenz, „und nicht erst nachdem Patienten wieder in Mitleidenschaft gezogen wurden, was wir sehr bedauern."

Zu der Auseinandersetzung kam es, als im vergangenen Herbst die drei Betriebskrankenkassen wegen kleinster formaler Verordnungsfehler auf den BtM-Rezepten die Erstattung dieser Rezepte komplett verweigerten, obwohl der Patient verordnungsgemäß mit seinem Medikament versorgt wurde. Formal muss auf dem Rezept z. B.: „Nach schriftlicher Anweisung des Arztes" stehen. Sobald das „schriftlich" abgekürzt wird (schriftl.), gilt dies als Formfehler und der Apotheker hätte das verordnete Medikament nicht abgeben dürfen, so die Argumentation der Kassen.

Durch diese Retaxierungspraxis entstand den Apothekern bundesweit ein finanzieller Verlust von insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro. Die Apotheker erhielten weder ihre Leistungsvergütung von 8,10 Euro abzüglich des Kassenrabatts in Höhe von 2,05 Euro noch den oft mehrere Hundert Euro hohen Einkaufspreis dieser Medikamente erstattet.

Im April 2012 erzielten die Apothekerverbände Nordrhein (AVNR) und Westfalen-Lippe (AVWL) eine Einigung mit den drei Kassen, die zunächst nur für die hauptsächlich von dieser Retax-Welle betroffenen Apotheken in Nordrhein-Westfalen eine Regelung traf. Diese Regelung konnten nun bundesweit alle Landesapothekerverbände mit den drei Krankenkassen Novitas BKK, BKK vor Ort und BKK Hoechst übernehmen.
In Brandenburg sind Apothekerinnen und Apotheker mit mindestens einhundert Rezepten von der Vollabsetzung betroffen, was einem Wert im fünfstelligen Bereich entspricht.

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